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[Experiment] Trampen und seine Lehren

[Experiment] Trampen und seine Lehren

In den letzten Jahren habe ich viel über das Thema Trampen gelesen und gehört. Der Gedanke, dass man innerhalb von ein paar Sekunden die Entscheidung trifft, sich gegenseitig zu vertrauen, gefiel mir. Hinzu kommt die besondere Erfahrung, dass man sich beim Trampen von den Faktoren Zeit und Entfernung lösen kann. Anders als das konventionelle Reisen, sind diese zwei Faktoren eine Unbekannte. Ankunftszeit und Strecke sind nicht definierbar. Nur den Zielort kann man als Variable festlegen. Mich hat diese Erfahrung besonders angezogen, weil die perfekte Planung in unserer modernen Gesellschaft viel zu fest verankert ist und wir somit den Umgang mit unerwarteten oder unplanbaren Situationen schwer bewältigen können. Geduld, Ruhe, Intuition und Improvisation bleiben oft auf der Strecke. Übrig bleibt ein eher Roboter-haftes Verhalten.

Meine erste Erfahrung mit dem Trampen war sehr positiv. Vielleicht hatte ich einfach nur Glück, aber ich musste nicht sehr lange warten. Als ich mich hinstellte, machte ich mich auf alles gefasst. Um mich komplett vom Faktor Zeit zu lösen, machte ich mein Handy aus. Es sollte kein Wettrennen sein. Ich wollte mich viel mehr der Situation stellen. Als das erste Mal jemand anhielt um mich mitzunehmen, war es etwas ganz besonderes für mich. Die positive Einstellung, die ich von Beginn an hatte, wurde bestätigt. Wenn man in der Stadt wohnt und daran gewöhnt ist, dass jeder nur für sich lebt, ist das schon beinah komisch. Für mich sind Fahrer die Tramper mitnehmen etwas ganz Besonderes, weil sie ohne irgendwelche Erwartungen helfen. Der gute Wille zählt und so hat man die Möglichkeit, einen besonderen Menschen kennenzulernen.

Natürlich möchte ich nicht leugnen, dass Trampen bestimmt auch gefährlich sein kann, aber im Vergleich dazu, begeben wir uns in unserem ganz normalen Alltag sicherlich nicht weniger in Gefahren. Trampen ist etwas, was wir nicht täglich machen und aus Unwissenheit und Unsicherheit stufen wir es als gefährlich ein. Ich sehe allerdings viel mehr, was für Lektionen es uns lehren kann. Bei diesem Experiment habe ich zwei aussergewöhnliche Menschen mit bewegenden Geschichten getroffen und ein besseres Empfinden für Zeit, Entfernung und Geduld gewonnen.

Wie ist deine Meinung zum Trampen?

 

 

Edited by Amanda Pescadora

[Experiment] Trampen und seine Lehren

[Experiment] Trampen und seine Lehren

In den letzten Jahren habe ich viel über das Thema Trampen gelesen und gehört. Der Gedanke, dass man innerhalb von ein paar Sekunden die Entscheidung trifft, sich gegenseitig zu vertrauen, gefiel mir. Hinzu kommt die besondere Erfahrung, dass man sich beim Trampen von den Faktoren Zeit und Entfernung lösen kann. Anders als das konventionelle Reisen, sind diese zwei Faktoren eine Unbekannte. Ankunftszeit und Strecke sind nicht definierbar. Nur den Zielort kann man als Variable festlegen. Mich hat diese Erfahrung besonders angezogen, weil die perfekte Planung in unserer modernen Gesellschaft viel zu fest verankert ist und wir somit den Umgang mit unerwarteten oder unplanbaren Situationen schwer bewältigen können. Geduld, Ruhe, Intuition und Improvisation bleiben oft auf der Strecke. Übrig bleibt ein eher Roboter-haftes Verhalten.

Meine erste Erfahrung mit dem Trampen war sehr positiv. Vielleicht hatte ich einfach nur Glück, aber ich musste nicht sehr lange warten. Als ich mich hinstellte, machte ich mich auf alles gefasst. Um mich komplett vom Faktor Zeit zu lösen, machte ich mein Handy aus. Es sollte kein Wettrennen sein. Ich wollte mich viel mehr der Situation stellen. Als das erste Mal jemand anhielt um mich mitzunehmen, war es etwas ganz besonderes für mich. Die positive Einstellung, die ich von Beginn an hatte, wurde bestätigt. Wenn man in der Stadt wohnt und daran gewöhnt ist, dass jeder nur für sich lebt, ist das schon beinah komisch. Für mich sind Fahrer die Tramper mitnehmen etwas ganz Besonderes, weil sie ohne irgendwelche Erwartungen helfen. Der gute Wille zählt und so hat man die Möglichkeit, einen besonderen Menschen kennenzulernen.

Natürlich möchte ich nicht leugnen, dass Trampen bestimmt auch gefährlich sein kann, aber im Vergleich dazu, begeben wir uns in unserem ganz normalen Alltag sicherlich nicht weniger in Gefahren. Trampen ist etwas, was wir nicht täglich machen und aus Unwissenheit und Unsicherheit stufen wir es als gefährlich ein. Ich sehe allerdings viel mehr, was für Lektionen es uns lehren kann. Bei diesem Experiment habe ich zwei aussergewöhnliche Menschen mit bewegenden Geschichten getroffen und ein besseres Empfinden für Zeit, Entfernung und Geduld gewonnen.

Wie ist deine Meinung zum Trampen?

 

 

Edited by Amanda Pescadora

1 Comment

Bianca

18 September , 2014 at 1:02 am

Trampen: Für mich früher etwas "ganz normales" als Ossi-Kind ;-) Vorallem weite Wege von zu Hause oder vom Zeltplatz zur Disco.. zig Dörfer weiter.. es ging kaum ohne Trampen... und selbst als junge Mädchen haben wir (meine Schwester und ich) zum Glück immer gute Erfahrungen gemacht. Das "gefährlichste" war wohl das Mitfahren in einem Mannschafts-LKW voll mit russischen Soldaten... über weite Feldwege an der Ostsee... zwei junge Mädels zwischen ca 12 "einsamen" jungen Männern... Jahre später dachten wir manchmal: Oh je, wie unbedacht wir waren.... Das einzige Kriterium was wir Zwei damals hatten war: Steig nie in einen Zweitürer, sonst hätte im Fall der Fälle nur eine von uns fliehen können... Aber auch später, als Autofahrerin hab ich ab und an Tramper mitgenommen. Die Intuition ist da das A und O. Wie das funktioniert kann man wohl schlecht erklären... man hat aus dem Auto heraus nur Sekunden Zeit, um eine Person am Straßenrand "einzuschätzen". Auch hier hab ich bisher zum Glück nur gute Erfahrungen gemacht. Was ich aus Sicht eines Autofahrers noch als Tipp mitgeben kann: Als Tramper sollte man wirklich gut darauf achten WO man sich hinstellt, so dass der Autofahrer erstens soviel wie möglich Zeit hat sich ein Bild von einem zu machen (in den paar Sekunden) und zweitens -ganz wichtig- dass der Fahrer auch eine gute und vorallem nahe Möglichkeit hat anzuhalten. Auf den weiten Straßen Norwegens sicher kein Problem. In größeren Orten oder Städten aber schon. Ich hab schon einige stehen lassen, weil ich einfach nichts fand zum anhalten und nach ein paar Metern denkt man dann (obwohl man gewillt war den Tramper mitzunehmen): "ach scheiss... egal.. fahr einfach weiter...hat er eben Pech gehabt.." FAZIT: Trampen ist eine schöne und spannende Art zu reisen und man lernt wirklich in allerkürzester Zeit Menschen und ihre Geschichten kennen... wie Du oben so schön beschreibst z.b. mit Knut....

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