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[Portrait] Wenn Stabilität nicht für Jedermann selbstverständlich ist

[Portrait] Wenn Stabilität nicht für Jedermann selbstverständlich ist

Während meiner einsamen und stillen Tage in Dalen, lernte ich einen ganz besonderen Menschen kennen, einen lebensfrohen jungen Mann aus der Dominikanischen Republik. Juan ist 24 Jahre alt und wie viele seiner Landsmänner, stammt er aus ärmlichen Verhältnissen. Um seinen Lebensunterhalt zu sichern und seine Familie zu unterstützen, arbeitete er füher dort, wo sich einige von uns den absoluten Luxus gönnen. Was für uns Urlauber aus den westlichen Ländern Abenteuer und Erholung bedeutet, ist für viele einheimische Arbeiter ein Sprungbrett aus ihrer Misere. Tatsächlich arbeiten viele dominikanische Männer und Frauen nicht nur in den großen Luxushotels, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, sondern vor allem hoffen sie auf ein folgenreiches Liebesabenteuer. Ob dick, dünn, alt oder häßlich spielt oft keine Rolle bei der Auswahl der Partner. Für die ausländischen Behörden sind schließlich nur die Papiere wichtig und nicht das Äußere der potentiellen Partner…

Was für so manchen Urlauber als aufregendes Liebesabenteuer im karibischen Paradies beginnt, endet in vielen Fällen in einer Ehe mit unerwarteten Verbindlichkeiten. Eine Ehe bedeutet ein Visum und somit die Chance, in ein neues Leben zu starten. Auch Juan ist einer von diesen Fällen. Er war Animateur in einem Luxusresort und verließ die Dominikanische Republik von einem Tag zum anderen, ohne seine Familie zu informieren, und heiratete eine Französin. Die große Liebe hielt leider nicht lange an. Heute haben die beiden eine gemeinsame Tochter und leben getrennt. Juan ist mittlerweile schon seit 3 Jahren in Norwegen und spricht fließend norwegisch. Er sorgt aus der Ferne für seine Tochter, die mittlerweile in Schweden lebt, und tut alles, um wenigsten für ein paar Minuten mit ihr zu skypen. Tagsüber ist er ein fleißiger und freundlicher Mitarbeiter im örtlichen Supermarkt. Wenn ich sage, dass ihn alle kennen, übertreibe ich nicht und wenn ich behaupte, dass ihn alle lieben, noch viel weniger. Juan war vom ersten Moment an einer der freundlichsten Menschen, die ich je getroffen habe. Er hat mich zu sich nachhause eingeladen, für mich gekocht, mir fast alle Einwohner von Dalen vorgestellt und sogar einen Job für mich besorgt! Vor allem aber, hat er mir gezeigt, wie gut sich ein Fremder in eine Gesellschaft integrieren kann, ohne zu wissen, ob er jemals dazugehören wird. Juan’s Visum läuft im Februar ab und weil er mittlerweile geschieden ist, steht es noch offen, ob er weiter in Norwegen leben darf. Was einst als sommerliche Romanze begann, endete in grausamer Realität. Das größte Abenteuer seines Lebens steht kurz vorm Scheitern. Stabilität, die gerade für uns Europäer so wichtig ist, hat es in seinem Leben schon lange nicht mehr gegeben.

Was mich an Juan am meisten begeistert, ist seine positive und fröhliche Einstellung, die er trotz allen Schwierigkeiten beibehält. Er lebt jeden Tag fröhlich weiter und hilft jedem wo er kann, obwohl er eigentlich selbst Hilfe brauchen könnte… Wie sich seine Situation entwickelt, ist eine Frage, die nur die Norwegische Ausländerbehörde beantworten kann. Juan wird zunächst versuchen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, um somit seine Chancen auf ein neues Visum zu erhöhen.

Ich wünsche ihm das Beste für seine Zukunft!

 

Edited by Amanda Pescadora

[Portrait] Wenn Stabilität nicht für Jedermann selbstverständlich ist

[Portrait] Wenn Stabilität nicht für Jedermann selbstverständlich ist

Während meiner einsamen und stillen Tage in Dalen, lernte ich einen ganz besonderen Menschen kennen, einen lebensfrohen jungen Mann aus der Dominikanischen Republik. Juan ist 24 Jahre alt und wie viele seiner Landsmänner, stammt er aus ärmlichen Verhältnissen. Um seinen Lebensunterhalt zu sichern und seine Familie zu unterstützen, arbeitete er füher dort, wo sich einige von uns den absoluten Luxus gönnen. Was für uns Urlauber aus den westlichen Ländern Abenteuer und Erholung bedeutet, ist für viele einheimische Arbeiter ein Sprungbrett aus ihrer Misere. Tatsächlich arbeiten viele dominikanische Männer und Frauen nicht nur in den großen Luxushotels, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, sondern vor allem hoffen sie auf ein folgenreiches Liebesabenteuer. Ob dick, dünn, alt oder häßlich spielt oft keine Rolle bei der Auswahl der Partner. Für die ausländischen Behörden sind schließlich nur die Papiere wichtig und nicht das Äußere der potentiellen Partner…

Was für so manchen Urlauber als aufregendes Liebesabenteuer im karibischen Paradies beginnt, endet in vielen Fällen in einer Ehe mit unerwarteten Verbindlichkeiten. Eine Ehe bedeutet ein Visum und somit die Chance, in ein neues Leben zu starten. Auch Juan ist einer von diesen Fällen. Er war Animateur in einem Luxusresort und verließ die Dominikanische Republik von einem Tag zum anderen, ohne seine Familie zu informieren, und heiratete eine Französin. Die große Liebe hielt leider nicht lange an. Heute haben die beiden eine gemeinsame Tochter und leben getrennt. Juan ist mittlerweile schon seit 3 Jahren in Norwegen und spricht fließend norwegisch. Er sorgt aus der Ferne für seine Tochter, die mittlerweile in Schweden lebt, und tut alles, um wenigsten für ein paar Minuten mit ihr zu skypen. Tagsüber ist er ein fleißiger und freundlicher Mitarbeiter im örtlichen Supermarkt. Wenn ich sage, dass ihn alle kennen, übertreibe ich nicht und wenn ich behaupte, dass ihn alle lieben, noch viel weniger. Juan war vom ersten Moment an einer der freundlichsten Menschen, die ich je getroffen habe. Er hat mich zu sich nachhause eingeladen, für mich gekocht, mir fast alle Einwohner von Dalen vorgestellt und sogar einen Job für mich besorgt! Vor allem aber, hat er mir gezeigt, wie gut sich ein Fremder in eine Gesellschaft integrieren kann, ohne zu wissen, ob er jemals dazugehören wird. Juan’s Visum läuft im Februar ab und weil er mittlerweile geschieden ist, steht es noch offen, ob er weiter in Norwegen leben darf. Was einst als sommerliche Romanze begann, endete in grausamer Realität. Das größte Abenteuer seines Lebens steht kurz vorm Scheitern. Stabilität, die gerade für uns Europäer so wichtig ist, hat es in seinem Leben schon lange nicht mehr gegeben.

Was mich an Juan am meisten begeistert, ist seine positive und fröhliche Einstellung, die er trotz allen Schwierigkeiten beibehält. Er lebt jeden Tag fröhlich weiter und hilft jedem wo er kann, obwohl er eigentlich selbst Hilfe brauchen könnte… Wie sich seine Situation entwickelt, ist eine Frage, die nur die Norwegische Ausländerbehörde beantworten kann. Juan wird zunächst versuchen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, um somit seine Chancen auf ein neues Visum zu erhöhen.

Ich wünsche ihm das Beste für seine Zukunft!

 

Edited by Amanda Pescadora

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