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[Portrait] Auf der E 134 mit einem ehemaligen Drogenabhängigen – Die Geschichte über einen Mann der gefallen, aufgestanden, wieder gefallen und wieder aufgestanden ist

Knut ist 41 Jahre alt, Vater von drei Kinder und seit 10 Jahren clean.  Auf der E 134, ca. 200 Kilometer von Oslo entfernt, hat er angehalten, um mich nach Oslo mitzunehmen. Mein erster Eindruck, der stark von seinen Aussehen beeinflusst wurde, war nicht unbedingt besonders positiv. Eigentlich versuche ich immer, Menschen ohne Vorurteile entgegenzutreten, aber in dieser Situation kam ich nicht umhin. Er machte einen sehr platten und etwas schäbigen Eindruck auf mich. Sein Fahrzeug war ein alter, verranzter,  Abschleppwagen, der zwei alte Kleinbusse bzw. Schrotthaufen hinten befestigt hatte. Mein Verstand erkannte die Signale und reargierte mit einer leichten Empathie. Meine Intuition hingegen neutralisierte diese Unsicherheit und gab mir die Sicherheit, dass mir nichts passieren würde, wenn ich da einstieg.

Das ist seine Geschichte:

Knut war nicht immer Fahrer eines alten Abschleppwagens. Sein  Metier waren eigentlich das Holz – der Wald gewesen. Er selbst beschreibt sich als der norwegische X-Men Wolverine, weil ihm das englische Wort für Förster nicht einfällt. Er hatte diesen Beruf in seinen jungen Jahren erlernt und ihn ebenso jung bereits wieder an den Nagel hängen müssen. Im Alter von 20 Jahren, um genau zu sein! Ein Baumstamm fiel auf seinen Rücken und veränderte sein ganzes Leben. Die Wahrscheinlichkeit dass er wieder laufen würde, war etwas, worüber niemand reden wollte aber alle  das Schreckliche ahnten. Knut hatte sich mit seinen 20 Jahren  bereits ein solides Leben aufgebaut. Er war praktisch auf dem Weg nach oben gewesen, bis ihn dieser Baumstamm zu Boden riss. Sein Zustand war für lange Zeit kritisch und Hoffnung war kaum vorhanden, aber dennoch schaffte er es eines Tages, wieder auf seinen eigenen Beinen zu stehen. Die Stärke seines Willens gewann gegen die Natur, aber leider nicht gegen seine bestialischen Schmerzen. Er fing wieder an zu laufen, doch es war ein ewiger Kampf gegen die Schmerzen. Um diese zu lindern, verschrieb man ihm sehr starke Medikamente, aber am Ende waren es genau diese Waffen, die ihn niederschmetterten. Knut wurde abhängig von den Schmerzmitteln und ab einem bestimmten Punkt weigerten sich die Ärzte, ihm weiter Medikamente zu verschreiben. Das war der Punkt an dem Knut erneut fiel, und zwar so tief, dass er für insgesamt 18 Jahre dorgenabhängig wurde. Die Drogen saugten ihn komplett aus. Er verlor seine Ehe, sein Haus und sein Auto. Er verlor alles, was für ihn von Bedeutung gewesen war und schlimmer noch – er verlor erneut seinen gesunden Körper. Ein weiteres Mal wurde er zum hoffnungslosen Fall. Ein weiteres Mal musste er sich einem Kampf  stellen.  Gewinnen war seine einzige Option, wenn er nicht für immer verlieren wollte.

Knut ist seit 10 Jahren clean und führt wieder ein glückliches Leben. Er hat eine sehr gute Beziehung zu seinen 3 Kindern und hat eine neue Lebenspartnerin gefunden. Er hat wieder ein eigenes Haus, ein eigenes Auto und  besitzt einen Camper,  um raus in die Natur zu fahren. Er fährt für seinen Arbeitgeber alte Autos quer durch Norwegen, die dann weiter nach Afrika verkauft werden. Als ich ihn danach fragte, was sein Traum sei, antwortete er: “Ich lebe und genieße jeden Tag, denn jederzeit kann einem etwas passieren. Das heute zählt für mich und damit versuche ich, das Beste zu machen.”

Knut trägt seinen Namen nach dem berühmten König des skandinavischen Großreichs – Knut der Große. Heute wird er von seinen Freunden King of Camping genannt, weil er den größten Camper hat. Für mich ist er ebenfalls ein König, aber nicht weil er den größten Camper hat, sondern weil er, genau wie ein richtiger König, etliche Schlachten schlagen musste und immer noch nach vorne schaut.

Ich fühle mich geehrt, diesen wundervollen Mann getroffen zu haben und zugleich schäme ich mich wegen meiner anfänglichen Vorurteile ihm gegenüber.

Teile diese Geschichte, wenn du jemanden kennst, der Probleme mit Drogen hat oder sich gerade in einer schwierigen Situation befinden. Als ich Knut danach fragte, was er nach all diesen Erfahrungen an die junge Generation weitergeben würde, äußerte er diesen Wunsch, den ich ihm gern erfülle.

 

 

Edited by Amanda Pescadora

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[Portrait] Auf der E 134 mit einem ehemaligen Drogenabhängigen – Die Geschichte über einen Mann der gefallen, aufgestanden, wieder gefallen und wieder aufgestanden ist

Knut ist 41 Jahre alt, Vater von drei Kinder und seit 10 Jahren clean.  Auf der E 134, ca. 200 Kilometer von Oslo entfernt, hat er angehalten, um mich nach Oslo mitzunehmen. Mein erster Eindruck, der stark von seinen Aussehen beeinflusst wurde, war nicht unbedingt besonders positiv. Eigentlich versuche ich immer, Menschen ohne Vorurteile entgegenzutreten, aber in dieser Situation kam ich nicht umhin. Er machte einen sehr platten und etwas schäbigen Eindruck auf mich. Sein Fahrzeug war ein alter, verranzter,  Abschleppwagen, der zwei alte Kleinbusse bzw. Schrotthaufen hinten befestigt hatte. Mein Verstand erkannte die Signale und reargierte mit einer leichten Empathie. Meine Intuition hingegen neutralisierte diese Unsicherheit und gab mir die Sicherheit, dass mir nichts passieren würde, wenn ich da einstieg.

Das ist seine Geschichte:

Knut war nicht immer Fahrer eines alten Abschleppwagens. Sein  Metier waren eigentlich das Holz – der Wald gewesen. Er selbst beschreibt sich als der norwegische X-Men Wolverine, weil ihm das englische Wort für Förster nicht einfällt. Er hatte diesen Beruf in seinen jungen Jahren erlernt und ihn ebenso jung bereits wieder an den Nagel hängen müssen. Im Alter von 20 Jahren, um genau zu sein! Ein Baumstamm fiel auf seinen Rücken und veränderte sein ganzes Leben. Die Wahrscheinlichkeit dass er wieder laufen würde, war etwas, worüber niemand reden wollte aber alle  das Schreckliche ahnten. Knut hatte sich mit seinen 20 Jahren  bereits ein solides Leben aufgebaut. Er war praktisch auf dem Weg nach oben gewesen, bis ihn dieser Baumstamm zu Boden riss. Sein Zustand war für lange Zeit kritisch und Hoffnung war kaum vorhanden, aber dennoch schaffte er es eines Tages, wieder auf seinen eigenen Beinen zu stehen. Die Stärke seines Willens gewann gegen die Natur, aber leider nicht gegen seine bestialischen Schmerzen. Er fing wieder an zu laufen, doch es war ein ewiger Kampf gegen die Schmerzen. Um diese zu lindern, verschrieb man ihm sehr starke Medikamente, aber am Ende waren es genau diese Waffen, die ihn niederschmetterten. Knut wurde abhängig von den Schmerzmitteln und ab einem bestimmten Punkt weigerten sich die Ärzte, ihm weiter Medikamente zu verschreiben. Das war der Punkt an dem Knut erneut fiel, und zwar so tief, dass er für insgesamt 18 Jahre dorgenabhängig wurde. Die Drogen saugten ihn komplett aus. Er verlor seine Ehe, sein Haus und sein Auto. Er verlor alles, was für ihn von Bedeutung gewesen war und schlimmer noch – er verlor erneut seinen gesunden Körper. Ein weiteres Mal wurde er zum hoffnungslosen Fall. Ein weiteres Mal musste er sich einem Kampf  stellen.  Gewinnen war seine einzige Option, wenn er nicht für immer verlieren wollte.

Knut ist seit 10 Jahren clean und führt wieder ein glückliches Leben. Er hat eine sehr gute Beziehung zu seinen 3 Kindern und hat eine neue Lebenspartnerin gefunden. Er hat wieder ein eigenes Haus, ein eigenes Auto und  besitzt einen Camper,  um raus in die Natur zu fahren. Er fährt für seinen Arbeitgeber alte Autos quer durch Norwegen, die dann weiter nach Afrika verkauft werden. Als ich ihn danach fragte, was sein Traum sei, antwortete er: “Ich lebe und genieße jeden Tag, denn jederzeit kann einem etwas passieren. Das heute zählt für mich und damit versuche ich, das Beste zu machen.”

Knut trägt seinen Namen nach dem berühmten König des skandinavischen Großreichs – Knut der Große. Heute wird er von seinen Freunden King of Camping genannt, weil er den größten Camper hat. Für mich ist er ebenfalls ein König, aber nicht weil er den größten Camper hat, sondern weil er, genau wie ein richtiger König, etliche Schlachten schlagen musste und immer noch nach vorne schaut.

Ich fühle mich geehrt, diesen wundervollen Mann getroffen zu haben und zugleich schäme ich mich wegen meiner anfänglichen Vorurteile ihm gegenüber.

Teile diese Geschichte, wenn du jemanden kennst, der Probleme mit Drogen hat oder sich gerade in einer schwierigen Situation befinden. Als ich Knut danach fragte, was er nach all diesen Erfahrungen an die junge Generation weitergeben würde, äußerte er diesen Wunsch, den ich ihm gern erfülle.

 

 

Edited by Amanda Pescadora

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