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[Reflexionen] Der Zug des Lebens – auf den Schienen nach Jaipur

Der Wind, der von zahlreichen Ventilatoren ausgeblasen wird, die an der Decke befestigt sind, zieht unaufhörlich durch die Sitzreihen. Die Luft ist trotzdem stickig und feucht. Es ist wie ein Kampf gegen diese Monsunluft. Hart ist dieser Kampf, doch unerschöpflich drehen sich die Ventilatoren weiter. Aufgeben ist keine Option. Diese leichte Brise, die über meine Haut strömt, fühlt sich so angenehm an. Sie macht diese Situation erträglich und gibt mir die Kraft und Motivation, diesen Weg zu überstehen. Es ist der Weg nach Jaipur, den ich in den frühen Morgenstunden gestartet hatte. Ein Weg, der durch die Schienen auf dem Boden markiert ist. Es gibt keine Umwege, sondern nur diesen einen Weg, der diesen Zug nach Jaipur bringt. Auf den Gleisen standen die Menschen in Massen an, um diesen Zug zu besteigen. Händler, Mütter, Studenten, Familien, Geschäftsmänner, oder magere Askethen, die diese Reise in Richtung Süden antreten. Während ein Teil der Masse seinen Weg im Zug antritt, bleiben viele auf den Gleisen stehen – ja, sogar auf dem Boden liegen, als wenn das ihr Schlafplatz für diese und weitere Nächte wäre. Der Zug ist endlos lang. Es sollen ja schließlich alle einen Platz bekommen – den richtigen Platz, in der richtigen Klasse! Nach diesem Prinzip ordnen sich alle ein und treten die lange Reise nach Jaipur an. Meine Klasse ist weder die Letzte noch die Beste – Es ist die “Sleeper Klasse”, die viele indische Familien für lange Übernacht-Reisen wählen. Ich sitze zwischen Menschen, die zwar nicht Hunger leiden müssen, aber höchstwahrscheinlich kein einfaches Leben haben. Jeder in meiner Abteilung hat seine eigene Geschichte, die mir allerdings verborgen bleiben wird. Das einzige was ich von diesen Menschen weiß, ist ein minimaler Bruchteil ihrer Geschichte – die gemeinsame Erfahrung auf den Schienen Richtung Jaipur.

Pünktlich zur vereinbarten Startzeit setzt der Zug an um die Reise zu beginnen. Die Zeit vertreibt sich jeder auf seine eigene Art. Es wird viel gegessen, telefoniert oder mit dem Smartphone gespielt. Die Frauen spielen meist mit ihren Kindern und die einsamen Männer starren oft mit einem leeren Blick in die Luft. Die Stimmung ist eher gedrückt, aber angenehm ruhig. Es wird nicht viel geredet. Man ist eher in seine eigenen Gedanken vertieft. In diesem Zug ist es wie im richtigen Leben. Jeder ist auf dem Weg in eine neue Etappe. Es gibt viele Dinge, die uns unterscheiden und dennoch sind wir alle gleich in diesem Zug. Es trennen uns nur Sitzplätze der verschiedenen Klassen. Die Reichen sitzen bei den Reichen, die Armen bei den Armen und die Mittelständler bei den Mittelständlern. Alle haben ihre eigenen Vorurteile und Meinungen gegenüber der anderen Klasse, ohne die geringste Ahnung über das Leben der anderen zu haben. Ich habe in meinem Wagon gesehen, wie Menschen hier in Indien essen, reden, spielen und Löcher in die Luft starren und dennoch weiß ich nichts über das Leben, das sie führen. Ich kann nur versuchen, es mir vorzustellen aber auch meine Vorstellung kann falsch sein. Ich weiß nur, dass wir alle im selben Zug sitzen, egal welche Geschichte jeder mit sich bringt und egal in welcher Klasse die Person einen Sitzplatz hat. Es ist der Zug des Lebens, es ist der Zug, in dem jeder von uns sitzt, es ist der Zug in unsere nächste Etappe.

Weiß du wer neben dir sitzt?

Mittlerweile ist es draußen dunkel geworden und die Ventilatoren drehen sich noch immer. Ich weiß nicht mehr wo ich bin, aber wer weiß das schon, auf so einer langen Fahrt…

 

Edited by Amanda Pescadora

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[Reflexionen] Der Zug des Lebens – auf den Schienen nach Jaipur

Der Wind, der von zahlreichen Ventilatoren ausgeblasen wird, die an der Decke befestigt sind, zieht unaufhörlich durch die Sitzreihen. Die Luft ist trotzdem stickig und feucht. Es ist wie ein Kampf gegen diese Monsunluft. Hart ist dieser Kampf, doch unerschöpflich drehen sich die Ventilatoren weiter. Aufgeben ist keine Option. Diese leichte Brise, die über meine Haut strömt, fühlt sich so angenehm an. Sie macht diese Situation erträglich und gibt mir die Kraft und Motivation, diesen Weg zu überstehen. Es ist der Weg nach Jaipur, den ich in den frühen Morgenstunden gestartet hatte. Ein Weg, der durch die Schienen auf dem Boden markiert ist. Es gibt keine Umwege, sondern nur diesen einen Weg, der diesen Zug nach Jaipur bringt. Auf den Gleisen standen die Menschen in Massen an, um diesen Zug zu besteigen. Händler, Mütter, Studenten, Familien, Geschäftsmänner, oder magere Askethen, die diese Reise in Richtung Süden antreten. Während ein Teil der Masse seinen Weg im Zug antritt, bleiben viele auf den Gleisen stehen – ja, sogar auf dem Boden liegen, als wenn das ihr Schlafplatz für diese und weitere Nächte wäre. Der Zug ist endlos lang. Es sollen ja schließlich alle einen Platz bekommen – den richtigen Platz, in der richtigen Klasse! Nach diesem Prinzip ordnen sich alle ein und treten die lange Reise nach Jaipur an. Meine Klasse ist weder die Letzte noch die Beste – Es ist die “Sleeper Klasse”, die viele indische Familien für lange Übernacht-Reisen wählen. Ich sitze zwischen Menschen, die zwar nicht Hunger leiden müssen, aber höchstwahrscheinlich kein einfaches Leben haben. Jeder in meiner Abteilung hat seine eigene Geschichte, die mir allerdings verborgen bleiben wird. Das einzige was ich von diesen Menschen weiß, ist ein minimaler Bruchteil ihrer Geschichte – die gemeinsame Erfahrung auf den Schienen Richtung Jaipur.

Pünktlich zur vereinbarten Startzeit setzt der Zug an um die Reise zu beginnen. Die Zeit vertreibt sich jeder auf seine eigene Art. Es wird viel gegessen, telefoniert oder mit dem Smartphone gespielt. Die Frauen spielen meist mit ihren Kindern und die einsamen Männer starren oft mit einem leeren Blick in die Luft. Die Stimmung ist eher gedrückt, aber angenehm ruhig. Es wird nicht viel geredet. Man ist eher in seine eigenen Gedanken vertieft. In diesem Zug ist es wie im richtigen Leben. Jeder ist auf dem Weg in eine neue Etappe. Es gibt viele Dinge, die uns unterscheiden und dennoch sind wir alle gleich in diesem Zug. Es trennen uns nur Sitzplätze der verschiedenen Klassen. Die Reichen sitzen bei den Reichen, die Armen bei den Armen und die Mittelständler bei den Mittelständlern. Alle haben ihre eigenen Vorurteile und Meinungen gegenüber der anderen Klasse, ohne die geringste Ahnung über das Leben der anderen zu haben. Ich habe in meinem Wagon gesehen, wie Menschen hier in Indien essen, reden, spielen und Löcher in die Luft starren und dennoch weiß ich nichts über das Leben, das sie führen. Ich kann nur versuchen, es mir vorzustellen aber auch meine Vorstellung kann falsch sein. Ich weiß nur, dass wir alle im selben Zug sitzen, egal welche Geschichte jeder mit sich bringt und egal in welcher Klasse die Person einen Sitzplatz hat. Es ist der Zug des Lebens, es ist der Zug, in dem jeder von uns sitzt, es ist der Zug in unsere nächste Etappe.

Weiß du wer neben dir sitzt?

Mittlerweile ist es draußen dunkel geworden und die Ventilatoren drehen sich noch immer. Ich weiß nicht mehr wo ich bin, aber wer weiß das schon, auf so einer langen Fahrt…

 

Edited by Amanda Pescadora

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